Sonnabend / 14. Juli 2018 / Workshop: Kritik der psychoanalytischen Praxis

10 – 15 Uhr | Studierendenrat der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg | Universitätsplatz 7 | Halle (Saale)

Nachdem wir uns in unserem ersten Workshop mit dem Verhältnis von Psychoanalyse und Gesellschaftskritik – konkret mit dem Verhältnis von Soziologie und Psychologie bei Adorno beschäftigt haben und der Frage nachgegangen sind, wie sich beide notwendigerweise ergänzen (sollten) und doch klar von einander zu trennen sind, wollen wir uns im zweiten Workshop eingehender mit Adornos Kritik an der psychoanalytischen Praxis auseinander setzen.
Was wir heute eigentlich an der Verhaltenstherapie kritisieren, der Psychoanalyse aber gerade absprechen würden – die Anpassung an die Verhältnisse – sah Adorno auch in der Anwendung der Psychoanalyse bestätigt. Psychotherapie negiere die gesellschaftliche Objektivität am Leiden der Einzelnen, Kritik werde psychologisiert, Psychotherapie sei „objektiv unwahr“: „Indem der Geheilte dem irren Ganzen sich anähnelt, wird er erst recht krank, ohne daß doch der, dem die Heilkur mißlingt, darum gesünder wäre.“ (S. 57). Mit und ohne Psychotherapie geht es den Leuten also schlecht. Eine vermeintlich gesunde, „gut integrierte Persönlichkeit“ mute dem Individuum eine „Balance der Kräfte“ zu, die real nicht existiere. „Man lehrt den Einzelnen die objektiven Konflikte vergessen, die in jedem notwendig sich wiederholen, anstatt ihm zu helfen“ (S. 65).
Wie die These Freuds „Wo Es war, soll Ich werden.“ unterschiedlich verstanden werden kann und ob sie – wie Adorno suggeriert – lediglich auf eine falsche Befriedung mit den Verhältnissen hinaus läuft oder doch gerade den Einzelnen erst in die Lage versetzt, die Quelle seines Leidens zu erkennen und sich dazu zu verhalten, wollen wir uns an Hand des zweiten Teils (ab S. 60) des selben Aufsatzes durch gemeinsame Lektüre und Diskussion erarbeiten.

Wir bitten um Anmeldung unter gruppe.aufgetaucht (at) web.de.

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