Donnerstag / 25. Januar 2018 / 19.00 Uhr / Dem Wahnsinn auf der Spur. Antipsychiatrie und das Problem gesellschaftlicher Herrschaft

Studentisch selbstverwalteter Raum / Adam-Kuckhoff-Str. 34a / Steintor-Campus / Universität Halle

Vortrag und Diskussion mit C h r i s t i a n K ü p p e r (Berlin)

Radikale Psychiatriekritik ist etwas aus der Mode gekommen. Der Verweis auf die Ausdifferenzierungen der (sozial-)psychiatrischen Versorgungslandschaft, auf die Einbindung von psychiatriebetroffenen Menschen als Genesungsbegleiter_innen in den Kreis der Professionellen oder auf den geplanten Ausbau des Home Treatment mag auf den ersten Blick besänftigen. Ebenso findet die Klage über die Inflation psychiatrischer Diagnosen und die Macht der Pharmaindustrie Widerhall in weiten Teilen der Gesellschaft.

In diesem Vortrag möchte ich dafür argumentieren, dass nicht viel Grund zur Beruhigung besteht, und dies nicht nur, weil es sich bei der ersten von der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA zugelassenen digitalen Pille – einer Pille mit einem eingebauten Sensor zum Zwecke der Kontrolle ihrer Einnahme – um ein Neuroleptikum handelt. Vielmehr leistet die moderne (Sozial-)Psychiatrie einen näher zu beleuchtenden Beitrag zur Aufrechterhaltung gesellschaftlicher Verhältnisse, in und an denen tagtäglich so viele verzweifeln. Anderseits lässt sich konstatieren, dass Menschen im hier und jetzt leiden, Angst haben, Schmerzen verspüren, verunsichert sind und Unterstützung, Begleitung und Zuwendung suchen. Was also tun?

Christian Küpper ist tätig in der antipsychiatrisch orientierten Kriseneinrichtung Weglaufhaus »Villa Stöckle« in Berlin und Lehrbeauftragter an der Alice Salomon Hochschule Berlin und an der Hochschule Magdeburg-Stendal.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.