Donnerstag / 26. Oktober 2017 / 19.00 Uhr / Die Macht der Psychotherapie im Neoliberalismus

Studentisch selbstverwalteter Raum / Adam-Kuckhoff-Str. 34a / Steintor-Campus / Universität Halle

Vortrag und Diskussion mit A n g e l i k a G r u b n e r (Wien)

Die Psychotherapie hat sich ihren Platz im Gesundheitswesen gesichert und ist zu einer hegemonialen Behandlungsmethode avanciert. Sie präsentiert sich als wissenschaftlich, neutral und unabhängig. Dass aber oftmals diejenigen Theorien, die sich auf diese Weise verstehen und positionieren, gerade jene sind, die die bestehenden Herrschaftsverhältnisse stützen oder sogar befördern, ist eine weitgehend unreflektierte Größe. Auch das (gesellschafts-)politische Interesse an der Psyche, das sich in der versicherungstechnischen Öffnung zur Inanspruchnahme der Psychotherapie ebenso zeigt wie am sich ausbreitenden Psychojargon in der Alltagssprache, der kolportiert hohe Bedarf nach Psychotherapie und der nicht enden wollende Zustrom zu den Psychotherapieausbildungen machen nachdenklich. Der Vortrag von Angelika Grubner gibt einen Einblick sowohl in die Hintergründe der Macht der Psychotherapie als auch in die Thesen ihrer aktuellen Publikation.

Angelika Grubner arbeitet als systemische Psychotherapeutin und hat dieses Jahr das Buch ‚Die Macht der Psychotherapie im Neoliberalismus‘ veröffentlicht.

Ein Interview, das Radio Corax mit Angelika Grubner zu ihrem Vortrag führte:

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Donnerstag / 9. November 2017 / 19.00 Uhr / Geschlossene Gesellschaft. Abwehr, Anpassung und Alltagsbewusstsein in der ostdeutschen Provinz

Studentisch selbstverwalteter Raum / Adam-Kuckhoff-Str. 34a / Steintor-Campus / Universität Halle

Vortrag und Diskussion mit C a r o l i n e A. S o s a t (Berlin)

In einem der ärmsten Landkreise Sachsen-Anhalts, mit hohen Wahlergebnissen für die AfD, hoher Korruption und sogar gerichtskundigem Wahlbetrug, scheitern jegliche Emanzipationsversuche. Der Abbau der Demokratie ist der Bevölkerung bekannt. Die Bereitschaft zum Widerspruch bleibt dennoch gering. Die Menschen wissen – und wissen zugleich nicht. Die Studie, die dem Vortrag zugrunde liegt, fand in der Mitte der Gesellschaft statt. In einer psychoanalytischen Auswertung, die sich auf die innere Motive ebenso wie auf die widersprüchlichen individuellen, politischen und historischen Umstände einlässt, sollten die Gründe für das Schweigen gefunden werden.

Caroline A. Sosat studierte Psychologie und Soziologie in Jena und Stendal. Sie forschte zum späten Coming-out in der Hetero-Beziehung, zu Diagnosekriterien der bipolaren Störung und schrieb im Buch Beißreflexe zu verfolgenden Dynamiken in feministischen Gruppen. Als Politnerd, Psychologin, Feministin und Kampfsportlerin versucht sie eine Sprache für das zu finden, was nicht gesagt werden darf und kritisiert autoritäre Formen der Eingemeindung.

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Donnerstag / 23. November / 19.00 Uhr / Hollywoods Kapitalismuskritik. Eine ideologiekritische Filmanalyse

Hörsaal 2 / Steintor Campus / Universität Halle

Vortrag und Diskussion mit W o l f g a n g M. S c h m i t t (Neuwied)

Hollywoodfilme bestätigen in der Regel das Bestehende – in dem Sinne sind sie pure Ideologie. Diese Tendenz dominiert noch immer das Mainstreamkino, doch im Zuge der Finanzkrisen der vergangenen zehn Jahre produzierte man in Amerika vermehrt Filme, die sich kritisch mit dem Kapitalismus auseinandersetzen. „Margin Call“, „The Big Short“, „The Wolf of Wall Street“, „Nightcrawler“ oder „Logan Lucky“ zeugen allesamt von dieser Trendwende, und mögen auch jene Intellektuelle überraschen, die kritische Film bislang hauptsächlich in Europa verortet haben. Tatsächlich wagt sich Hollywood mit seiner Kapitalismuskritik erstaunlich weit vor, und macht damit – Ironie des Systems – ordentlich Kasse. Was aber zeichnet Hollywoods Kapitalismuskritik aus? Wo liegen die Grenzen? Und wie gelingt es dem Kapitalismus, sich diese gegen ihn gerichteten Filme stets wieder einzuverleiben?
Der Filmkritiker und Literaturwissenschaftler Wolfgang M. Schmitt, bekannt durch seinen YouTube-Kanal „Die Filmanalyse“ youtube.com/filmanalyse), wird in seinem Vortrag „Hollywoods Kapitalismuskritik: Eine ideologiekritische Filmanalyse“ Antworten auf
diese Fragen geben. Wenn es stimmt, dass, wie Siegfried Kracauer schreibt, Filme ein Spiegel der Gesellschaft sind, dann sollten wir uns trauen, in diesen cineastischen Spiegel zu blicken, um uns selbst zu erkennen.

Ein Interview, das Radio Corax mit Wolfgang M. Schmitt zu seinem Vortrag führte:

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Zusatzveranstaltung: Donnerstag / 7. Dezember 2017 / 19.00 Uhr / Die männliche Subjektkonstitution – Gewalt, Sexualität und die Abwehr des Weiblichen

Studentisch selbstverwalteter Raum / Adam-Kuckhoff-Str. 34a / Steintor Campus / Universität Halle

Vortrag und Diskussion mit R o l f P o h l (Hannover)

Trotz aller Modernisierungen hat sich hinsichtlich der Geschlechterverhältnisse eine Tatsache grundsätzlich nicht geändert: Die spätmodernen Gesellschaften sind nach wie vor von einer hierarchischen, männlich dominierten Kultur der Zweigeschlechtlichkeit bestimmt. Soziologische Ansätze in der Geschlechterforschung können diese Aufrechterhaltung von männlicher Dominanz und Vorherrschaft analysieren, aber ihre psychosoziale Reproduktion in den vergeschlechtlichten Subjekten selbst nicht hinreichend fassen. Von daher ist eine Erweiterung um eine sozialpsychologische und subjekttheoretische Perspektive notwendig, die insbesondere die Verknüpfung von Sexualität, Macht und Gewalt in der vorherrschenden Konstitution von Männlichkeit(en) ins Zentrum rückt. Die normative heterosexuelle Orientierung unterwirft den Mann dabei einem unlösbaren Dilemma zwischen Autonomiewunsch und Abhängigkeitsangst mit der Folge: Die vorherrschenden Einstellungen zu Frauen und zur Weiblichkeit sind von einer Mischung aus Lust, Angst, Neid und einer bis zum Hass reichenden feindseligen Tönung gekennzeichnet. Weiblichkeit und mit ihr assoziierbare Phänomene werden zu Repräsentanzen des grundsätzlich „Anderen“, das fremd bleibt und insbesondere bei inneren und äußeren Krisen unbewusst als bedrohlich erlebt werden kann. Hier liegt eine der wichtigsten Quellen für häusliche und außerhäusliche, sexuelle und nicht-sexuelle Gewalt gegen Mädchen, Frauen, aber auch gegen Schwule, die ebenso als Infragestellung der erwünschten, jedoch grundsätzlich gefährdeten männlichen Integrität erlebt werden.

Rolf Pohl ist emeritierter Professor für Sozialpsychologie an der Universität Hannover. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten in der Geschlechterforschung gehören die Themen Männlichkeit, sexuelle Gewalt und männliche Krisendiskurse. Er ist Autor des Buches »Feindbild Frau – Männliche Sexualität, Gewalt und die Abwehr des Weiblichen« (2005).

Ein Interview, das Radio Corax mit Rolf Pohl zu seinem Vortrag führte:

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Donnerstag / 14. Dezember 2017 / 19.00 Uhr / Was macht die Psychoanalyse? Psychoanalyse zwischen Praxis und Gesellschaftstheorie

Hörsaal 2 / Steintor Campus / Universität Halle

Vortrag und Diskussion mit M. S c h ö n w e t t e r (Halle)

In seiner Minima Moralia stellt Theodor W. Adorno den Anspruch an die psychoanalytische Praxis, als »eine kathartische Methode« müsste sie »darauf ausgehen, die Menschen zum Bewußtsein des Unglücks, des allgemeinen und des davon unablösbaren eigenen, zu bringen und ihnen die Scheinbefriedigungen zu nehmen, kraft derer in ihnen die abscheuliche Ordnung nochmals am Leben sich erhält« (Adorno 1998/1951: 69). Adornos Kritik deutet auf das Dilemma der analytischen Praxis, die nämlich mit der »Psychodynamik« auf einen Gegenstand gerichtet ist, der »nochmals die Pathogenese einer gesellschaftlichen Totalität aus sich heraus [entwickelt]« (Adorno 1998/1955: 55f). Das Leiden des Individuums ist das Ergebnis des herrschaftsförmigen, repressiven, mithin gewaltvollen Vermittlungsprozesses der gesellschaftlichen Totalität in Tiefenstruktur. Wie aber kann ein Verfahren damit umgehen, dessen Praxis der Beziehungsrahmen der analytischen Situation zwischen Analytiker und Patient und das auf das individuelle Leiden und dessen lebensgeschichtlichen Hintergrund gerichtet ist? Die psychoanalytische Praxis ist kein »Theorieseminar im Liegen« (Kirchhoff 2007: 69). Im Vortrag möchte ich skizzieren, was in der analytischen Praxis geschieht, wie das Ergebnis der Vermittlung der gesellschaftlichen Totalität im Individuum – die infantilen, unbewussten Beziehungsmuster im Wiederholungszwang als Kern des Patienten-Leidens – verstehbar gemacht und ›bewältigt‹ werden können. Des Weiteren möchte ich zeigen, dass die Psychoanalyse als eine ›kritische Theorie des Subjekts‹ (Alfred Lorenzer) in einer zur kritischen Gesellschaftstheorie eigenständigen Perspektive auf denselben Gegenstand – das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft – gerichtet ist. Die Begriffe und Erkenntnisse der psychoanalytischen Praxis können jedoch nicht folgenlos zu einer Gesellschaftstheorie aufgebläht werden. Solch eine Gesellschaftstheorie würde als Gesellschaftspathologie im Widerspruch zur negativen Dialektik, die Nichtidentität von Individuum und Gesellschaft eindampfen und das Subjekt letztlich bloß noch aus objektiven Bedingungen heraus ableiten. Psychoanalyse und kritische Theorie der Gesellschaft sind vielmehr die beiden komplementären, aber eigenständigen Seiten derselben Medaille.

M. Schönwetter hat in Halle Soziologie studiert und arbeitet zu den Themen Kritische Theorie, Psychoanalyse und Leiblichkeit.

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Donnerstag / 25. Januar 2018 / 19.00 Uhr / Dem Wahnsinn auf der Spur. Antipsychiatrie und das Problem gesellschaftlicher Herrschaft

Der Vortrag muss leider ausfallen, da der Referent aus persönlichen Gründen abgesagt hat.

Studentisch selbstverwalteter Raum / Adam-Kuckhoff-Str. 34a / Steintor-Campus / Universität Halle

Vortrag und Diskussion mit C h r i s t i a n K ü p p e r (Berlin)

Radikale Psychiatriekritik ist etwas aus der Mode gekommen. Der Verweis auf die Ausdifferenzierungen der (sozial-)psychiatrischen Versorgungslandschaft, auf die Einbindung von psychiatriebetroffenen Menschen als Genesungsbegleiter_innen in den Kreis der Professionellen oder auf den geplanten Ausbau des Home Treatment mag auf den ersten Blick besänftigen. Ebenso findet die Klage über die Inflation psychiatrischer Diagnosen und die Macht der Pharmaindustrie Widerhall in weiten Teilen der Gesellschaft.

In diesem Vortrag möchte ich dafür argumentieren, dass nicht viel Grund zur Beruhigung besteht, und dies nicht nur, weil es sich bei der ersten von der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA zugelassenen digitalen Pille – einer Pille mit einem eingebauten Sensor zum Zwecke der Kontrolle ihrer Einnahme – um ein Neuroleptikum handelt. Vielmehr leistet die moderne (Sozial-)Psychiatrie einen näher zu beleuchtenden Beitrag zur Aufrechterhaltung gesellschaftlicher Verhältnisse, in und an denen tagtäglich so viele verzweifeln. Anderseits lässt sich konstatieren, dass Menschen im hier und jetzt leiden, Angst haben, Schmerzen verspüren, verunsichert sind und Unterstützung, Begleitung und Zuwendung suchen. Was also tun?

Christian Küpper ist tätig in der antipsychiatrisch orientierten Kriseneinrichtung Weglaufhaus »Villa Stöckle« in Berlin und Lehrbeauftragter an der Alice Salomon Hochschule Berlin und an der Hochschule Magdeburg-Stendal.

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