Studentisch selbstverwalteter Raum / Adam-Kuckhoff-Str. 34a / Steintor-Campus / Universität Halle
Vortrag und Diskussion mit Simon Groten (Halle)
Die klinischen Psychologie hebt sich von den anderen Fachgebieten der akademischen Psychologie in Deutschland dadurch ab, dass sie für die mit Abstand größte Gruppe der Studierenden eine berufsvorbereitende Funktion einnimmt. Die meisten Studierenden entscheiden sich anhand der hier gelehrten Inhalte für die Schule ihrer anschließenden psychotherapeutischen Ausbildung und bestreiten ihren Berufseinstieg mit dem im Studium vermittelten Wissen der klinischen Psychologie. Mitunter prägt das hier vermittelte Menschenbild auch die gesamte weitere Berufstätigkeit. Vor diesem Hintergrund ist es besonders problematisch, dass es im Mainstreampsychologiestudium zwar viel darum geht, welche Verhaltensweisen und Empfindungen Teil welcher ›psychischen Krankheiten‹ seien, aber nie eine tiefere Auseinandersetzung damit stattfindet, was dieses ›Krankhafte‹ an sich eigentlich sei. Im Vortrag wird der Frage nach gegangen, welche impliziten Annahmen über den Menschen und das Mensch-Welt-Verhältnis im Konzept der ›psychischen Krankheit‹, in den gängigen Krankheitsmodellen und in den psychiatrischen Diagnosen verborgen sind. Dabei wird die problematische Vorstellung eines von den gesellschaftlichen Verhältnissen abstrakt-isoliert gedachten menschlichen Individuums herausgearbeitet, mit der die vermeintlichen Eigenschaften und Defizite des Individuums in den Fokus gerückt und dessen gesellschaftlichen Handlungsmöglichkeiten und -behinderungen dethematisiert werden.
Simon Groten. M.Sc. Psychologe, Jg. 1989. Befindet sich derzeit in Ausbildung zum systemischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten und arbeitet in einer kinder- und jugendpsychiatrischen Tagesklinik.
Ein Interview, das Radio Corax mit dem Referenten zum Thema des Vortrages führte: