Donnerstag / 6. April 2017 / 19.00 Uhr / Reil78 / Die Konstitution, die Funktion und das Sträuben. Zur psychoanalytischen Theorie des Triebs und der Geschlechterdifferenz

Vortrag von Melanie Babenhauserheide

Die Entstehung von Subjekten wird in der Freudschen Psychoanalyse nicht als lineare Entwicklung gedacht, sondern als gekennzeichnet durch Mangel und Versagung, durch Spaltungen und Brüche, durch Lücken und Verletzungen. Dafür steht die Geschlechterdifferenz, als etwas, was das anzeigt, was ich nicht sein kann. Geschlecht wird dabei als etwas verstanden, was nicht glattgehen kann, was in sich widersprüchlich ist, durchdrungen von dem, was sich entzieht: Dem Unbewussten, dem unlösbaren Rätsel der Sexualität…

Nicht selten hört man Vorurteile gegenüber psychoanalytischer Theorie: Sie sei deterministisch, sehe zu sehr von Herrschaftsverhältnissen ab, sei biologistisch oder sogar patriarchal. Doch wenn Freud schreibt, dass die Entwicklung von Weiblichkeit und die Bereitschaft, Kinder zu gebären, kein Endpunkt einer natürlichen Abfolge sei, sondern Folge einer komplizierten Entwicklung, in der sich „die Konstitution nicht ohne Sträuben in die Funktion fügen wird“, wird kenntlich, dass die Psychoanalyse eine Theorie ist, die Geschlecht weder in Richtung Biologie noch in Richtung Sprache/ Kultur/ Bedeutung auflöst, sondern das konflikthafte Zusammenspiel beider Seiten betrachtet. Somit ermöglicht sie eine Kritische Theorie der Geschlechterdifferenz, die berücksichtigt, dass Menschen auch sinnliche und leibliche Wesen sind, und zugleich erkennt, dass es die (patriarchal beschaffene) Deutung ist, die einen Schniedel in einen Macht spendenden Phallus verwandelt. Sie eignet sich, die in der spätkapitalistischen, vergeschlechtlichen Subjektkonstitution enthaltene Gewalt kenntlich zu machen, anzuklagen, zugleich die Möglichkeit der Freiheit darin wahrzunehmen und herrschende Deutungen neu zu deuten.

Melanie Babenhauserheide ist Kritische Theoretikerin. Sie arbeitet derzeit als Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Bielefeld. Ihre Dissertation, die sie am Fachbereich Erziehungswissenschaften an der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main eingereicht hat, befasst sich mit der Ideologie von J.K. Rowlings Harry Potter-Reihe.

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Donnerstag / 18. Mai 2017 / 19.00 Uhr / Reil 78 / Einführung in die Psychoanalyse anhand ihrer zentralen Begriffe

Viele unserer Vorträge setzen die Kenntnis zentraler Begriffe der Freud’schen Psychoanalyse voraus. Deswegen wollen wir als aufgetaucht selbst in einer eigenen Veranstaltung einführend über diese Grundlagen sprechen. Konkret werden wir einführen in das Unbewusste, das Triebmodell, das Instanzenmodell, Abwehrmechanismen, sowie neuere Entwicklungen in der Psychoanalyse (Objektbeziehungstheorie, Ich-Psychologie, Selbst-Psychologie und intersubjektive Ansätze).

Aus zwei Perspektiven finden wir die Psychoanalyse spannend und wertvoll. Für das individuelle Leben und Leiden bietet sie eine Methode diese näher zu verstehen. Ihr Versprechen psychisches Leiden zu lindern erfüllt sie entgegen verhaltenstherapeutischer Methoden nicht darüber z.B. in Konfrontationsübungen über die eigenen Ängste hinweg zu gehen und sich diese Flausen abzutrainieren, sondern dadurch, diese auch in ihrer Absurdität als Ausdruck verborgener Teile der eigenen Persönlichkeit ernst zu nehmen. Auch wenn man der Psychoanalyse als Therapieform zurecht vorwerfen kann, dass sie die Leute zum Funktionieren und Aushalten des normalen Unglücks ermuntert, steckt in ihrer Methode damit doch etwas sehr Befreiendes: die Erfahrung der persönlichen Wahrheit.

Auch für das Verständnis und die Kritik von Gesellschaft ist Psychoanalyse immer da wichtig, wo die Kenntnis objektiver Gesellschaftsstrukturen und der bewussten Zwecke und Gründe der Handelnden nicht ausreichen, dieses Handeln zu verstehen, weil es sich in seiner Irrationalität nicht rational erkennen lässt. Für die Anpassung an die bestehende Gesellschaft, den Antisemitismus oder Homophobie liefert die Psychoanalyse Erklärungen, weil sie individuelle Verarbeitung der Außenwelt und deren innerpsychischen Nutzen nachzeichnet.

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Sonnabend / 20. Mai 2017 / Reil 78 / Workshop: Einführung in die Psychoanalyse anhand ihrer zentralen Begriffe

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Donnerstag / 8. Juni 2017 / 19.00 Uhr / Reil 78 / Eine Biopolitik des Genießens: die Fallstricke postödipaler Subjektivierung

Vortrag von Tove Soiland

Lacan war gewiss kein Gesellschaftstheoretiker. Doch ähnlich wie Reich und Marcuse im Zuge der 68er-Revolten an Freud anschlossen und damit einen Freudomarxismus hervorbrachten, existiert heute im Umfeld der Schule von Ljubljana eine marxistisch orientierte Lacan-Rezeption, die darum bemüht ist, die heutige, gegenüber der fordistischen Gesellschaft veränderte ideologische Konstellation zu verstehen.
Ausgehend von Lacans eigenen Überlegungen geht der Vortrag der Frage nach, wie unter den veränderten Voraussetzungen postfordistischer Gesellschaften die Funktionsweise von Ideologie neu zu denken ist. Im Zentrum steht dabei jener Wandel in den Subjektstrukturen, den Lacan in seinem Seminar XVII beschreibt. Nach dem Untergang der partriachalen Kleinfamilie mit ihrer ödipalen Struktur haben wir es heute mit den Fallstricken postödipaler Subjektivierung zu tun, die, weit davon entfernt, befreite Subjekte hervorzubringen, diese, in der Gegenwartsdiagnose Slavoj Zizeks, vielmehr einer neuartigen Form einer „Biopolitik des Genießens“ unterwirft.

Tove Soiland, studierte Geschichte, Philosophie und Germanistik in Zürich. Sie ist Lehrbeauftragte an verschiedenen Universitäten und bietet bei der Gewerkschaft VPOD in Zürich seit Jahren Seminare für Frauen zu feministischer Ökonomie und politischer Theorie an. 2008 promovierte sie an der Universität Zürich zu »Luce Irigarays Denken der sexuellen Differenz. Eine dritte Position im Streit zwischen Lacan und den Historisten«. Sie ist Mitglied des Beirates der Zeitschrift Widerspruch. Ihre heutigen Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich Feministische Theorie, französische Psychoanalyse und Marxismus. 2003 initiierte sie den »Gender-Streit«, eine Kontroverse um die theoretischen Grundlagen des Gender-Begriffs. Im WS 2016/17 hat sie die Klara-Marie-Faßbinder Gastprofessur an der Hochschule Ludwigshafen inne.

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Donnerstag / 22. Juni 2017 / 19.00 Uhr / Reil 78 / Freiheit zur Krankheit? Rechtliche Grundlagen von Zwangsbehandlungen in der zeitgenössischen Psychiatrie

Vortrag von Alice Braun

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